Sonntag, 2. März 2014

geTragen-Geborgen!




Nun tragen wir schon seit über 8 Monaten unser Kindlein durch die Welt

Warum ich trage?

Aktiv oder passiv?Bei der Konjugation spielt dies mehr eine Rolle, als für mich, eine Mami, eines 8 Monate alten Säuglings.Für manche Menschen in der Bevölkerung jedoch scheint gerade dies eine Rolle zu spielen.
Für mich, als die Tragende ist es ein "aktiver" Vorgang, für unseren Tragling ein Vorgangspassiv ( getragen) und dennoch ist es für ihn "aktiv", da er zwar nichts tragen muss, aber durch das geTragen sein, ja aktiv am Geschehen dabei ist..Und zwar mehr als in einem Kinderwagen..Aber diese Ausführung würde wohl meinen heutiges Abendprogramm sprengen und vielleicht bei Einigen für Verwirrung sorgen..zumindest was die Grammatik betrifft :) Und ich schreibe hier ja auch nicht um Deutsch zu unterrichten, sondern um meinem Kind zu berichten, was wir alles mit ihm erlebt, miterlebt und unternommen haben..Aber auch um andere Menschen zu informieren, zum Nachdenken zu animieren oder einfach zu Berieseln auf ganz einfache Weise..dem ältesten Berieselungswerk überhaupt "dem Lesen"...
 
Bevor wir geboren werden sind wir umhüllt voll Liebe auf beengtem Raum
Für mich war schon während der Schwangerschaft klar, dass ich unser Kind tragen möchte- vielleicht auch inspiriert durch die vielen kunterbunten Bilder von Tragemamas aus aller Welt.
Wieso eigentlich auch nicht?
Ein Kind ist so viele Monate im Bauch seiner Mutter und wird auch geTragen- wieso sollte man dann nicht auch die Zeit danach das Tragen dem KiWa-Schieben vorziehen?


Klar haben wir einen KiWa, aber ich kann an einer Hand abzählen wie oft wir diesen bisher verwendet haben.
Manche Kinder mögen ihren Zwergenferrari und wollen kaum wieder raus, aber unser Kindlein mag es eben lieber geTragen zu werden.
Die Nähe, der enge Kontakt zu Mama/ Papa ist eben doch intensiver, als jede andere Form.
Das Tragen schenkt Geborgenheit und vermittelt eine enorme Sicherheit.
Auch ist es für uns Eltern eine sehr schöne Form, seinem Kind zu zeigen, dass es sehr geliebt wird. Praktisch ist das Tragen allemal. Möchte man schnell etwas im Haushalt erledigen und sein Kind nicht einfach irgendwo hinlegen, dann kommt es einfach ins Tuch oder die Tragehilfe.
Ich konnte mich auch nie anfreunden mein Kind einfach im Bollerwagen liegen zu lassen oder in einen kleinen Laufstall zu legen..Stundenlang eine Decke anstarren möchte niemand und gerade wenn sie noch ganz klein sind, brauchen sie die Nähe und Wärme.
Anfangs mochte ich kein TT ( Tragetuch), da ich mir so unsicher war, ob mein Kind auch sicher ist, aber mit der Zeit kam die Sicherheit und ich versuchte mich mit einem Tragetuch.

Ein Tragetuch hat den Vorteil, dass das Kind noch besser am Träger ist und so auch ein engerer Kontakt entsteht. Der einzige Nachteil, den für mich ein TT hat, ist, dass man öfter mal nachziehen muss bzw. wenn die jungen Wilden in das Alter des "sich Aufrichten" kommen,  wird es doch schwieriger, den Beutel zu erhalten.
 Dennoch haben wir unser TT nicht verkauft,
 sondern warten bis diese extrem Steckphase vorbei ist.
Wir benutzen aktuell viel unsere MySol oder der Papa die Manduca.
Mit 3 Monaten haben wir mit unserem HopTye getragen, vorher eben nur MySol bzw TT.
Und ganz ehrlich, ich möchte unsere Tragehilfen und Tücher nicht missen. Wie oft war ich schon froh einfach mein Kind an mich zu binden und fertig..Beim Bummeln in einer Großstadt ist es angenehmer als immer auf den Aufzug am U-Bahn-Steig zu warten oder im Kaufhaus nicht die Rolltreppe verwenden zu können...
Sogar das Stillen im TT klappt, wenn wir auch anfangs ein paar Startschwierigkeiten damit hatten. Am Besten funktionierte aber das Stillen bisher im MySol, denn da konnte ich einfach einen Träger runtermachen und schon war Platz dem Kindlein zu helfen :)

Will der junge Wilde, unser Muckelchen einmal nicht schlafen, dann gehts ab ins Tragetuch und schwups da schlummert er dahin.
Die Welt wird mittlerweile am Liebsten auf dem Rücken der Mama erkundet..Und klar, wenn der Papili trägt dann ists noch viel besser-schließlich sieht man da fast in den Himmi hinein :)
Aber mal ganz ehrlich die Vorteile des Tragens liegen doch auf der Hand.
Für alle die noch unschlüssig sind habe ich mal alle Pro´s zusammengefasst!


Für den Tragling auf alle Fälle ( nach unseren bisherigen Erfahrungsschatz)

  • beruhigend und entspannend ( defintiv der beste Sandmann! )
  • bequem, geborgen und sicher ( noch enger an Mama/ Papa gekuschelt geht gar nicht und das außerhalb von Couch oder Bett )
  • motorische und sinnliche Anregung
  • bindungsfördernd
  • entwicklungsfördernd ( stark ausgeprägte Muskulatur!)
  • natürlich ( nur in unserem Kulturkreis ist es zu einer Art "Exotenschau" geworden, zumindest in den kleineren Stätten schauen die Leute gerne mal, was da die Frau/der Mann mit ihrem Kind machen..- vor allem beim "auf dem Rücken tragen..") 
  • Aktivität wird gefördert, weniger im Bettchen liegen- die Welt mit den Augen erkunden und mit den Händchen ergreifen.
Für den Tragenden
  • das schönste Bonding neben der ersten Berührung ausserhalb des Kreissaal
  • praktisch
  • Herz an Herz gemeinsam die Welt erkunden
  • mobil
  • einfach in der Handhabung
  • natürlich
  • der beste Weg immer aktiv zu sein, auch schon im Wochenbett 
  • für VÄTER das beste Bonding ever/ Bindung wird gefördert von Anfang an !




Und für alle, die es lieber etwas wissenschaftlich belegt haben möchten!
 
1970 führte der Biologe Bernhard Hassenstein erstmals den Begriff des Jungentypus "Tragling" ein. Der Mensch gehört zu diesem Jungentypus.
 
Die Jungentypen werden in genau 3 Kategorien unterteilt: Nesthocker, Nestflüchter, Tragling
 
Wer oder was ist ein Nesthocker?
  • Katzen, Hunde, Kaninchen
  • kommen blind und nackt zur Welt ( jedoch nicht hilflos)
  • Ohren geschlossen
  • viel Nachwuchs in einem Wurf
  • Ähnlichkeit des Wurf sehr hoch
  • in Gefahrsituationen packt die Mutter den Nachwuchs im Genick,trägt dieses weg
  • Milchzusammensetzung reicht für lange Abwesenheit (fettreich)
  • wenn die Mutter weg ist, sind die Kinder ruhig
 
Wer oder was sind Nestflüchter?
  • Elephanten, Hasen, Fohlen, Schafe
  • 1-2 Jungtiere
  • trinken sehr oft
  • beruhigen sich durch Blickkontakt
  • offene Augen und Ohren
  • folgen stets ihren Eltern

Der  Tragling
  • Menschen, Affen, frühere Formen nach Darwin bezeichnete Wesen, die sich vom Vierfüßlerstand, Aufrichten..
  • offene Augen und Ohren
  • Körperkontakt ist notwendig 
  • Differenzierung einzelner Gesichter
  • mit allen Sinnen ausgestattet
  • müssen erst in verschiedenen Entwicklungsstadien lernen alleine zu Gehen/ Stehen
  • Beruhigend wirkt der enge Körperkontakt
 ( Stillen,Kuscheln...)
  • Mororeflex, Klammerrefelex, Anhock-Spreiz-Stellung
  • Mimik und Gestik ( Lachen!Weinen..) zur Kontaktaufnahme und Förderung der Kommunikation
  • Aufforderung zum Mitnehmen
Natürlich habe ich auch noch eine Kinderarzt-Meinung dazu:
Der bekannte Kinderarzt H.Renz-Polster:

http://kinderverstehen.de/images/Tragen_Renz-Polster.pdf
http://www.fruehe-kindheit.net/download/tragen_renz-polster_0612.pdf

Aber auch Julia Dibbern schreibt in ihrem Buch "Geborgene Babys" sehr schön, was es bedeutet sein Kind zu Tragen.

Die für mich beeindruckenste Bucher zum Thema waren aber
zum einen
  • Regina Hilsberg "Körpergefühl" 

    und
  • Jean Liedloff "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück"   
(Jean Liedloff  verbrachte zwei Jahre bei einem Stamm der Yequana-Indianer und beobachtete den engen Kontakt, den die Mütter dort zu ihren Kindern pflegen.)
Und bei all den Statements sollte man nie vergessen, dass das Tragen wirklich "das Natürlichste der Welt" ist und es schon lange vor dem Kinderwagen schieben da war. Wenn man in die ärmeren Länder blickt, so findet kaum ein Gefährt mit 4-Rädern für einen Zwerg.

( Der Kinderwagen ist jedoch, ebenso wie das eigene Kinderbett, eine Erscheinung der modernen Zeit. Die Kinder unserer Vorfahren wurden getragen, bis im Laufe des 19. Jahrhunderts in Europa der Kinderwagen modern wurde!)
 

Mich beeindrucken immer wieder die Bilder von Müttern, die ihre Kinder tragen, manchmal sogar 2 aufeinmal und dann noch einen Wasserkrug auf dem Kopf haben..

Ach ja und abschließend möchte ich noch sagen, dass es nichts mit ÖKO zu tun hat, ob man trägt!Die Gesellschaft verwendet die Bezeichnung viel zu gerne- oftmals gerade bei den "natürlichen-menschlichen Dingen/ Instinkten".

Wer sich also zum Tragen entscheidet, sollte auf jeden Fall eine Trageberatung in Anspruch nehmen, um für sich und sein Tragling das passende Stück zu finden.



Vorsicht!auch das Tragen kann zur Sucht werden- vielmehr die vielen schönen Tücher und Tragehilfen :)

Wer eine Trageberatung sucht kann sich an das Tragenetzwerk ( www.tragenetzwerk.de ) wenden oder vielleicht einfach mal im Shop von www.natürlich-familie.de vorbeischauen. Die liebe Katharina Drucker berät gerne oder vermittelt eine TB in deiner Nähe.

 

 
 

1 Kommentar:

  1. Wie ich das Tragen liebe! Und irgendwie auch vermisse bei all der Selbstständigkeit unseres großen Mädchens. Ich fand die Tragetuchkuschelzeit einfach herrlich. Kann mir gar nichts anderes vorstellen.
    In Südafrika fand ich das ganz spannend. Dort scheint einfach jede Frau ein Baby auf dem Rücken zu tragen. Schwester, Oma, Tante, Cousine, Mama... ein Handtuch genügt. Einfach herrlich.
    Lieben Gruß und schönes Weitertragen!

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