Und die Gefahr an Gnocci mit Blaukraut das Zeitliche zu segnen... ;)
Fortsetzung folgt...
Ich möchte euch nun einmal eine Geschichte erzählen, die sich wirklich so ereignet hat, aber vor sehr langer Zeit :)
Eine Familie hatte Rotkraut bekommen. Früher wie auch heute war es eines der günstigsten und winterhärtesten Gemüsearten, die man bekommen konnte/ bekommen kann. Eine Mutter stand vor der großen Frage, was sie mit diesem lila schimmernden und wohlduftenden Kraut wohl für ihre große Familie zaubern sollte.
Sie behandelte das Kraut wie ein rohes Ei und entfernte erst einmal die äußeren Blätter und schnitt den Strunk ab.Anschließend säuberte sie das Kraut mit Wasser, welches sie in einem Kochtopf zuvor erwärmt hatte.
Welch Wunder dabei geschah? Das lila Kraut veränderte sein Mäntelchen und erschien in lila-blau-gräulichem Kleid. Die Frau glaubte etwas falsch gemacht zu haben und wollte das Kraut schon den Schweinen zum Fraß vorwerfen, doch dann kam ihr die Idee. Sie nahm den alten Essig aus dem Kämmerlein und goß diesen über das Kraut. Das Kraut änderte wieder seine Farbe, aber es schien ihr eine gesündere Farbe zu sein.Vielleicht habe sie nun alle Giftstoffe entfernt und könne das Kraut nun weiterkochen wie ein Sauerkraut.
Sie lies das Kraut auf ihrem Gasherd köcheln und widmete sich ihren Kartoffel-Klößchen. Kartoffeln waren schon immer ein beliebtes und in allen Schichten vertretenes Gemüse.Die Knolle, die sein Kleid von Grün in Braun ändert und dessen Schalen früher als ungeniesbar, gar giftig galt.
Die Kartoffel-Klößchen waren schnell gemacht, schließlich mussten man diese nur in heißem Salzwasser baden und fertig waren sie.
Es sollte ein richtiges Festmahl werden und alle würden satt werden.
Zur damaligen Zeit kein einfaches Unterfangen.
Nachdem das Kraut fertig war und die Klöße aus dem Wasser gesiebt werden konnten, rief sie ihre Familie zusammen.
Sie freuten sich sehr, denn das Kraut hatte bereits wieder seine Farbe verändert.
Alle waren begeistert, hatten sie dies noch nie zuvor gegessen.Wie würde es wohl schmecken?
Der Vater schöpfte jedem seiner Kinder eine Kelle Kraut und jeder bekam zur Feier des Tages 10 Kartoffel-Klöße. Sonst war es immer dem Vater oder Großvater vorbehalten 10 Klöße zu essen- heute sollte es eben was ganz besonderes sein.
Als das Tischgebet ,der Engel des Herrn ( das älteste Gebet überhaupt) gesprochen war, aß die gesamte Familie und strahlte. Die Mutter war glücklich, denn seit langem sah sie alle Familienmitglieder lächeln und sogar ihr Kleinster schien Geschmack am Essen gefunden zu haben- er schmatzte nur so vor sich hin.
An einem Freitag ein so delikates Essen zu bekommen war definitv eine Seltenheit. Alle 4-6 Wochen gab es mal Fisch, aber meistens genügte das Geld nicht und so gab es nur für den Vater und eines der Kinder ein Stück Fisch. Alle anderen Familienmitglieder begnügten sich mit Kartoffeln. Welch Vielzahl an Gerichten man doch mit Kartoffeln zaubern kann ist uns wohl nicht unbekannt.
Nun als fast alle Familienmitglieder fertig mit dem Essen waren, kam die Großmutter aus der Stadt. Sie hatten den langen Weg auf sich genommen um nach dem Rechten zu sehen. Wohl eher um einmal wieder ihre Tochter in ein schlechtes Licht zu rücken. Seit Jahren war die Beziehung der Beiden irgendwie komisch. Die Mutter traute der Tochter nie etwas zu und hielt sie immer klein. Die Tochter wieder rum schaffte es nie aus den Kinderschuhen auszubrechen, obwohl sie längst zu einer eigenständigen und fleißigen Frau herangewachsen war. Die Tochter verließ früh das Elternhaus um in der Ferne sich den Künsten der Kräuterheilkunde zu widmen. Sie war eine angesehene junge Frau, die es auch noch verstand Haushalt, Familie und Beruf ( wohl eher Berufung) unter einen Hut zu bringen.
Ob es der Mutter wohl ein Dorn im Auge war? Sie hatte schließlich nichts mehr aus ihrem Leben gemacht seit sie verheiratet war. Sie widmete sich nur der Hausarbeit, den Arbeiten auf dem Hof und der Erziehung ihrer Kinder.War es vielleicht der Neid, dass die eigene Tochter mehr aus ihrem Leben gemacht hatte?
Nun die Großmutter war eigen und sicherlich kein schlechter Mensch, aber an diesem Tag, brachte sie alles durcheinander und schaffte es ihre Tochter vor den Augen ihrer Kinder zum Weinen zu bringen.
Sie betrat nämlich das Haus ihrer Tochter und ohne eine Begrüßungsklausel sofort an dem Essen, was noch auf dem Tisch stand, zu meckern. Nein es blieb nicht bei dem Meckern, sie unterstellte ihrer Tochter, dass sie das Rotkraut falsch gekocht habe und sie somit ihre komplette Familie vergiftet habe.
Rotkraut würde Blausäure enthalten, die das menschliche Blut angreifen und zerstören würde.
Die Tochter brach in Tränen aus, hatte sie doch wirklich noch nie etwas gekocht ohne sich zu vergewissern, dass es auch in Orndung gehen würde.
Sie hatte das Kraut von einem Bauern aus der Nachbarschaft bekommen, der ihr noch ein köstliches Rezept seiner Frau verriet.
Der Herr des Hauses war entsetzt,forderte die Kinder auf, sie sollen doch bitte auf ihr Zimmer gehen.
Das konnte er nicht auf sich und seiner Frau sitzen lassen. Wusste er wohl wie schwierig das Schwiegerweib war und wie oft seine Frau versuchte alles hinunter zu schlucken.
Doch diesmal war es anderes. Die Tochter stand auf, fasste all ihren Mut zusammen und verwies die Mutter der Türe.Hatte sie sowas noch nie zuvor getan. Diesmal tat sie es, denn sie wusste, dass sie im Recht war und es ein Ende haben musste. Die Großmutter verließ beleidigt das Anwesen.
Während dessen beschloss die junge Frau das restliche Blaukraut für ihre Kinderunterwäsche zu verwenden, schließlich wusste sie aus ihren Studienzeiten in der großen Stadt, dass man mit Pflanzen Kleidung aus Baum-oder Schurwolle sehr gute einfärben konnte.
Der Kleinste aus der Familie hatte seine Wäsche vor Tagen beschmutzt. Die Flecken waren trotz intensiver Sonnen-Bleiche noch minimal zu sehen und so wollte sie den jungen Mann nicht zum Spielen schicken.
Sie legte die Unterwäsche in den Topf mit Blaukraut, es war noch genügend da und Essig hatte sie noch genügend vorrätig, so dass sie das Kleidungsstück "farbecht" machen konnte.
Sie ließ das Kleidungsstück über Nacht im Topf. Sie konnte schließlich keinen lila Body ihrem Söhnchen präsentieren. Der war sowieso gerade in einer schwierigen Phase. Nun ja und was würde erst der Hausherr dazu sagen?
Am nächsten Morgen sah sie dass der Topf eine schöne blaue Farbe erhalten hatte, sie holte das Kleidungsstück vorsichtig mit einem Holzlöffel heraus und wusch es noch einmal mit klarem Wasser aus.
Ein bisschen Farbe ging noch verloren, aber es waren keine Flecken mehr zu erkennen. Sie hing es auf eine Leine über dem Ofen und im Nu war das Kleidungsstück trocken.Als die Geschwisterkinder aus der Schule kamen wunderten sie sich über das schöne Kleidungsstück. Woher mag es wohl kommen?,sagte das große Schwesterkind.Hatten doch alle Kinder immer naturbelassene Kleidungsstücke an, meist in braun-, rot-, oder aber grün Tönen.
Da kam die Mutter mit dem Kleinsten in die Stube.Sie bemerkte, dass ihre Kinder überrascht waren über das neue Kleidungsstück.
Sie erzählte ihnen wie sie es hergestellt hatte. Und da die anderen Kinder auch gerne ein neues Kleidungsstück haben möchten, beschloss die Frau mit ihren Kinder auf die gleiche Weise das ganze noch einmal zu machen.
So hatten innerhalb von wenigen Stunden und Tagen die gesamte Familie "Blaukraut Kleider" und niemand hatte das zeitliche gesegnet. Aber die Großmutter hatte eine Weile nichts von sich hören lassen.
War sie doch zu sehr enttäuscht. Die Stadt ist eben doch etwas anderes als das Leben auf dem Land.
Wir haben nachgekocht und auch einen Body von Bubi eingefärbt.
Das Rezept stammt tatsächlich von einer mittlerweile 89-jährigen Bauersfrau und es wird sicherlich oft ins Wirtshäusern verwendet. Wäre etwas wahres an der Aussage der Großmutter gewesen, würde es in Bayern keine Menschen mehr geben.
Für euch da draußen nun unser tolles Rezept und natürlich auch ein Bild von unserem Werk ( dem Body) zum fotografieren des Festmahls kam es leider nicht mehr.Und auch wir haben es an einem Freitag gegessen und auch meine Mutter kannte das Rezept bislang noch nicht :)
Rotkohl-Gnocchi ( Kartoffel-Klöße )
für 4-6 Personen
Kartoffel-Klöße
200g Süßkartoffel ( weiße Sorte)
300g mehlig kochenende Kartoffeln
1 Prise Salz
20g firsch geriebenen Käse ( Ziege oder Kuh ), wer Parmesan hat auch diesen
Muskatnuss ( gerieben)
1 EL Olivenöl
1 Eigelb
150g Mehl
10 Blätter Rotkohl ( ca.500g)
1 kleine Zwiebel
40g Butter
1 Prise Pfeffer
120ml Gemüsebrühe ( aus Karotten, Sellerie, Lauch gekocht) oder Gemüsefond
1/2 Bund Schnittlauch ( fein geschnitten )
2 EL Preiselbeeren
Sabayon
3 Eigelb
150ml halb trockenen Weißwein
Salz
1/2 TL gemahlener Kümmel
1 Msp. Pfeffer aus der Mühle ( frisch gemahlen)
-Zubereitung:
Karoffeln waschen, schälen und in grobe Stücke schneiden. In Salzwasser kochen ( 30 Minuten bei mittlerer Hitze). Weich kochen, abgießen und 3-4 Minuten sher gut abdämpfen lassen. Kartoffeln zerdrücken, am besten mit einer Kartoffelpresse. Geriebenen Käse, Muskat, Salz, Öl hinzugeben, Eigelb und Mehl nach und nach.
Alles schön zu einer geschmeidigen Masse kneten. Mit bemehlten Händen zu vier Rollen formen. Jede Rolle in 10 Stücke teilen und zu Kugeln drehen. Jede Kugel mit der Gabel leicht eindrücken und auf eine bemehlte Platte legen.
Die Kartoffel-Klöße (Gnocchi) ( die Großmutter sagte dazu immer Knotschi) in reichlich leicht siedendem Salzwasser 7-8 Minuten garen. Mit der Kelle herausnehmen, abschrecken und in einem Sieb gut abtropfen lassen.
Von den Kohlblättern die mittleren dicken Blattrippen entfernen, die Blätter in grobe Stücke schneiden. Zwiebeln fein würfeln und in 20g Butter ohne Farbe glasig dünsten. Rotkohl zugeben, salzen, pfeffern und 5 Minuten mitdünsten.Mit Fond aufgießen und unter Rühren 10 Minuten dünsten.
Eigelb, Weißwein, Salz, Kümmel und Pfeffer mischen und im heißen Wasserbad mit dem Schneebesen 4-5 Minuten schaumig schlagen, bis eine cremige Masse entsteht. Sabayon von der Kochstelle nehmen, im Wasserbad warm halten dabei gelegentlich umrühren.
Gnocchi in der restlichen Butter 5 Minuten bei milder Hitze unter Wenden goldbraun braten, mit Salz und Pfeffer würzen. Schnittlauch schneiden.
Gnocchi mit Rotkohl und Preiselbeeren anrichten.
Mit Sabayon übergießen und mit Schnittlauch bestreuen.
Natürliche Färbung eines Schurwoll-Bodies
- die äußeren Blätter des Rotkohl in ein heißes Essig-Wasserbad legen.
Body reinlegen und anfangs umrühren.
Für ca.12 Stunden einwirken lassen je nachdem welche Endfarbe man erreichen möchte. Wir haben den Body 24 Std. eingeweicht, anschließend mit kaltem Wasser abgeduscht.Trocknen auf der Leine,in Form ziehen. Anschließend mit bunter Wäsche bei 30 bzw. 40°C im Wollwaschprogramm mitwaschen.
Fortsetzung folgt..der Bubi ist jetzt wach und zum Hochladen der Fotos reicht die Zeit nicht mehr.